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Historisches Lexikon Bayerns.de, im Artikel über Lindau, Reichsstadt

= nach 1728, moderne Zeiten

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1728 verwüstet wieder mal ein verheerender Stadtbrand den Stiftsbezirk und die angrenzenden Stadtviertel. Nur die evangelische Stephanskirche bleibt verschont. Beim Wiederaufbau erhalten Stift, Stiftskirche und Markt (mit dem Haus zum Cavazzen = Stadtmuseum, Haus zum Baumgarten = Marktplatz 4) das barocke Gepräge, das sie bis heute kennzeichnet.

1802 werden infolge der Französischen Revolution von 1789 wenige Jahre vor der Auflösung des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" alle Klöster und Reichsstädte aufgehoben. Die Stadt Lindau und die Besitzungen des Damenstiftes fallen an Fürst Karl August von Bretzenheim, dessen Schwester Friederike (1771-1816) die vorletzte, 1788-1796 amtierende Äbtissin des Stifts gewesen war.


1804 Lindau fällt an Österreich. Karl August von Bretzenheim hat seinen ungeliebten Besitz am Bodensee gegen Güter in Ungarn eingetauscht.

1805/06 muss Österreich nach einer Niederlage gegen Napoleon Lindau an den französischen Bundesgenossen Bayern abtreten. Seitdem besitzt Bayern einen Zugang zum "Schwäbischen Meer". Neu gebaut wurde die „Max-Josef-Kaserne“ (Max-Kaserne) mit Hof zwischen den Flügeln zur Fischergasse hin.

1808/18 verliert die Inselstadt Lindau ihr Landgebiet, das auf die drei nun selbständigen Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin verteilt wird.

1838 wird in Lindau das erste eiserne Dampfschiff auf dem Bodensee, die "Ludwig", in Dienst gestellt. Damit beginnt in Lindau und Umgebung das Zeitalter der Industrialisierung, die hier allerdings nich so intensiv wie etwa im benachbarten Friedrichshafen verläuft.

1842/47 erbaut der in Italien zu Vermögen gekommene Lindauer Großkaufmann F. Gruber am Schachener Seeufer die Lindenhofvilla. Dank zahlreicher Nachahmer, darunter die bayerische Königsfamilie, entwickelt sich bis zum Ersten Weltkrieg an der „Bayerische Riviera|Bayerischen Riviera]]" ein Villengürtel, der zum großen Teil noch heute bewundert werden kann.

1853/54 erreicht die Eisenbahn über den damals errichteten Damm Lindau. Die Stadt ist damit der südliche Endpunkt der in Hof beginnenden bayerischen Nordost-Südwest-Diagonalstrecke.

Das neue Verkehrsmittel fördert den Getreidehandel als zeitweise wichtigsten städtischen Wirtschaftszweig und den Tourismus, die ersten großen Hotelbauten entstehen in der Nähe des Bahnhofs, der auch das Gesicht der so genannten Hinteren oder Westlichen Insel tiefgreifend verändert: An die Stelle von Gärten treten Gleisanlagen, Kasernen und Bahngebäude.

1856 wird der neue Seehafen als Schnittstelle der damals modernsten Verkehrsmittel Dampfschiffahrt und Eisenbahn fertiggestellt. Als südwestliche Eingangspforte Bayerns erhält er einen besonders repräsentativen Charakter. Davon zeugen heute noch der Leuchtturm und das bayerische Wappentier, der Löwe, die beide längst zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind.

1900 nimmt das erste Lindauer Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf.

1904 zieht das Militär in die neu errichtete, nach dem damaligen bayerischen Prinzregenten benannte Luitpoldkaserne auf der Hinteren bzw. Westlichen Insel ein.

1921 veröffentlicht der Schriftsteller Wolfram Geißler seinen bekanntesten Roman „Der liebe Augustin". Dieses "Lindauer Nationalepos" lässt die letzten Jahrzehnte der Reichs- und die ersten Jahre der königlich bayerischen Stadt Lindau lebendig werden. Vorbild für die weibliche Hauptfigur ist die vorletzte Äbtissin des Damenstiftes, die junge Friederike von Bretzenheim.

1922 werden die 1808/18 abgetrennten Festlandsgemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin wieder mit Lindau vereinigt.

1945 besetzen am 30. April französische Truppen weitgehend kampflos die Stadt, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hat. Zusammen mit dem Landkreis Lindau dient sie in den folgenden Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen in Südwestdeutschland und Westösterreich. Stadt und Landkreis Lindau werden damit vom übrigen Bayern, das amerikanisch besetzt ist, abgetrennt und bilden faktisch ein eigenes (fast ein Bundes-) Land. An seiner Spitze steht ein Kreispräsident, der zeitweise mehr Kompetenzen besitzt als die Ministerpräsidenten der Länder.

  1950 rollt die erste Roulette-Kugel in der Lindauer Spielbank; die ersten Lindauer Psychotherapiewochen werden abgehalten.

1951 findet die erste Lindauer Nobelpreisträgertagung statt.

1951 beginnt Felix Wankel (1902 - 1988), der seit 1936 in Lindau lebt, mit der Entwicklung des nach ihm benannten Rotationskolben- (Drehkolben-) Motors — der Wankelmotor. Seine 1962 erbaute "Technische Entwicklungsstelle" (TES) im Stadtteil Zech (Fraunhofer Str. 10) in Seenähe wie ein modernes Badehaus steht seit 1999 unter Denkmalschutz.

1955 regelt die "Lex Lindau" die Rückgliederung des "Landkreisstaats" Lindau nach Bayern, die 1956 abgeschlossen ist.

1958 übernimmt die Stadt Lindau die Patenschaft über das gleichnamige Minenjagdboot der Bundesmarine. Mit zahlreichen Besuchen wird die Patenschaft bis zur Außerdienststellung der "Lindau" im Jahr 2000 intensiv gepflegt.

1963 erleben die Lindauer die bislang letzte "Seegfrörne".

1964 begründen Lindau und die französische Stadt Chelles bei Paris eine Partnerschaft, die bis heute intensiv gepflegt wird.

1973 wird der erste Teil der Lindauer Fußgängerzone eingeweiht.

1975 geht die Luitpoldkaserne nach Abzug der Garnison in städtischen Besitz über.

1976 vergrößert sich Lindau durch die Eingemeindung von Reitnau, das erstmals 805 urkundlich erwähnt worden ist.

1981 erhält Lindau mit der Inselhalle ein modernes Tagungs- und Veranstaltungszentrum. Historisch betrachtet einer der großen Frevel am überkommenen Stadtbild.

1987 stürzt in der katholischen Stiftskirche die Stuckschicht der Decke in das Schiff herunter. Sie wird in den folgenden Jahren in mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt.

1994 nimmt das neue Stadtbussystem seinen Betrieb auf.

1998 wird ein neues Abwasser-Klärwerk fertiggestellt.

1999

sucht an Pfingsten ein Jahrhunderthochwasser die Inselstadt heim, das Erinnerungen an ähnliche Katastrophen in der Vergangenheit (z. Bsp. 1817) wachruft.

  2000 werden die Neubauten der Seebrücke und der Spielbank ihrer Bestimmung übergeben. Die Psychotherapeuten und die Nobelpreisträger treffen sich zum 50. Mal in Lindau (B), die Lindauer Marionettenoper wird ins Leben gerufen, und in Reutin entsteht ein modernes Einkaufszentrum („Lindaupark").

2002 Nach zweijähriger Sanierung ist aus der ehemaligen Luitpoldkaserne auf der Westlichen Insel das Wirtschafts- und Bildungszentrum Luitpoldpark entstanden.

2003 wird auf der Westlichen Insel in unmittelbarer Nachbarschaft des Luitpold-Parks der Neubau der Bodensee-Klinik für ästhetische Chirurgie (Prof. Dr. Dr. Werner Mang) seiner Bestimmung übergeben.

2004 Die 1946 von der französischen Besatzungsmacht gegründete Industrie- und Handelskammer Lindau-Bodensee und diejenige für Augsburg und Schwaben schließen sich zur IHK Schwaben zusammen. Deren Lindauer Außenstelle trägt mit ihrem Mittelmeerbüro u.a. für die Beziehungen der schwäbischen Wirtschaft in den mediterranen Raum Sorge.

  Erstmals lädt das Kuratorium für die Lindauer Nobelpreisträgertagungen die Laureaten der Wirtschaftswissenschaften zu einem Treffen ein, das künftig alle zwei Jahre stattfinden soll.

 



Neptunbrunnen

Architekt des Münsters war der Barockbaumeisters Johann Caspar Bagnato

 

  seit 1805 besteht die „Max-Josef-Kaserne“ (Max-Kaserne) mit Hof zwischen den Flügeln zur

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KartenBearbeiten

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Siehe auchBearbeiten